Besonders Berufsanfänger haben im Ausland sehr gute Chancen, eine Arbeit zu finden. Akademiker finden besonders in Entwicklungsländern oder in Osteuropa in Bereichen Arbeit, wo bei uns bereits alle Arbeitsplätze vergeben sind. Dies gilt besonders für Juristen, Lehrer, Ingenieure usw.
Im Ausland gelten besonders Firmen mit ausländischen Tochtergesellschaften als potentielle Arbeitgeber. Aber auch viele Entwicklungshilfegesellschaften bieten entsprechende Stellen an.
Durch eine Arbeit im Ausland können Sie zum einen besondere Steuervorteile geltend machen, zum anderen erwerben Sie berufliche Qualifikationen, die Ihnen später im Inland sehr vorteilhaft ausgelegt werden können.
Die besten Chancen für eine Arbeit im Ausland bietet eine abgeschlossene Berufsausbildung. Wer in der Entwicklungshilfe tätig werden möchte, hat besonders gute Chancen mit einem Berufabschluss im sozialmedizinischen Bereich, im Agrarbereich oder als Experte für sanfte Technologien.
Auslandsarbeit ist gut für den Job
Auslandsarbeiter sind gefragte Mitarbeiter – Wer einen Auslandsaufenthalt vorweisen kann, beweist damit Engagement und Initiative. Gerade während des Studiums bieten sich gute Möglichkeiten, einmal dort zu leben und zu arbeiten, wo andere Menschen Urlaub machen. Auch in der Berufsausbildung ist es oftmals möglich, in Zweigstellen oder Tochterfirmen der Unternehmen im Ausland hineinzuschnuppern und Auslandserfahrungen zu sammeln. Außerdem vermitteln zahlreiche Organisationen oder Einrichtungen weltweit Ausbildungen und Praktika.
Wer sich dafür entscheidet, sollte schon früh mit den Vorbereitungen, die einige Zeit in Anspruch nehmen, beginnen. Empfehlenswert ist auch das Erlernen oder Auffrischen der jeweiligen Sprachen, was ein problemloseres Einleben im Ausland ermöglicht.
Ratsam ist auch, etwas Geld im Vorfeld anzusparen, denn Stipendien und Förderprogramme können nur eine geringe finanzielle Unterstützung leisten.
Dafür sind aber diejenigen, die einen Auslandsaufenthalt bei der späteren Bewerbung vorweisen können, klar im Vorteil, denn durch die Zeit in der Fremde haben sie sich einen wertvollen Qualifikationsvorsprung verschafft.
Ein weiterer wichtiger Punkt sind heute Englischkenntnisse. Sie werden schon fast bei jeder Bewerbung, vor allem im kaufmännischen Bereich, vorausgesetzt. Da viele Firmen länderübergreifend tätig sind, erwarten sie von ihren Mitarbeitern außerdem Toleranz und Aufgeschlossenheit gegenüber fremden Kulturen. Um die künftigen Mitarbeiter entsprechend auszubilden, unternehmen die Firmen einiges. So unterrichtet beispielsweise ein Viertel der Unternehmen die Azubis selbst, andere bieten Auslandspraktika an.
Praktikum im Ausland
Deutsche Absolventen haben kaum Erfahrungen eines Praktikums in Ausland vorzuweisen, nochweniger in Asien. Und dass obwohl der asiatische Markt boomt. Das Heinz-Nixdorf-Programm vergibt pro Jahr an 50 junge Wirtschaftswissenschaftler und Ingenieure Arbeitsstipendien für je 6 Monate in Asien. Zur Auswahl stehen 8 Länder von Korea bis Malaysia. Die Stipendiaten werden von der Weiterbildungsorganisation INWENT ausgewählt. Die Praktikanten arbeiten in einem ausländischen Unternehmen, müssen aber zuvor in Deutschland einen Sprachkurs absolvieren.
Au-pair im Ausland
Eine Tätigkeit als Au-pair bietet eine sehr gute Möglichkeit, fremde Länder und Kulturen kennen zu lernen, vorhandene Sprachkenntnisse zu vertiefen oder auch Sprachen zu erlernen. Wer als Au-pair im Ausland tätig ist, lebt meist bis zu 1 Jahr in einer Gastfamilie. Hier stehen Mithilfe im Haushalt und/oder Kinderbetreuung im Vordergrund.
Für die Tätigkeit als Au-pair hat der Europarat ein Abkommen verabschiedet, das folgende wesentliche Punkte enthält:
- Das Mindestalter beträgt grundsätzlich 17 Jahre, das Höchstalter 30 Jahre. Ausnahmen durch die Gastländer in der Altersgrenze nach oben für die Au-pair-Tätigkeit sind in Ausnahmefällen möglich.
- Erwartet werden die Mithilfe bei Haushaltstätigkeiten und bei der Betreuung von Kindern (die Höchstgrenze ist auf täglich 5 Stunden festgelegt).
- Es werden freie Abende und freie Tage gewährt.
- Für Sprachkurse, kulturelle Veranstaltungen, Exkursionen etc. erfolgt eine Freistellung.
- Eine private Krankenversicherung über die Gastfamilie, wenn eine gesetzliche Krankenversicherung fehlt, ist möglich.
- Für die Arbeit als Au-pair ist ein angemessenes Taschengeld üblich.
- Die Unterbringung in der Gastfamilie soll möglichst in einem eigenen Zimmer oder sonstiger angemessener Unterkunft bei guter Verpflegung erfolgen.
Die Vermittlung als Au-pair erfolgt in Deutschland fast ausschließlich durch private Vermittler. Die Bewerbung erfolgt in aller Regel an eine Au-pair-Agentur.
Freiwilligenarbeit im Ausland
Wer Auslandserfahrung und Gutes tun verbinden möchte, kann gemeinnützig ins Ausland gehen. Arbeiten kann er bei Hilfseinsätzen, bei internationalen Jugendorganisationen usw. Bei Personalchefs ist die Arbeit in Hilfsorganisationen sehr geschätzt. Soziale Arbeit und die Bereitschaft, sich für andere einzusetzen ohne materiellen Gewinn wird gefördert.
Die Golfstaaten bieten nach wie vor Jobs und suchen Fachkräfte
Die Wirtschaftskrise hat zwar auch die Golfregion erfasst, aber aus Ölgewinnen hat man sich finanzielle Polster geschaffen, die jetzt in die Konjunktur gesteckt werden. Saudi Arabien, Kuwait, Katar, Bahrain, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Oman planen Projekte im Wert von 1900 Milliarden Dollar.
Projekte sind hauptsächlich in den Sparten Touristik, Logistik und Bildung geplant. Aber auch Großflughäfen, Eisenbahnen, Kraftwerke, Universitäten und Krankenhäuser sollen finanziert werden.
Diese Megaprojekte bilden die Grundlage für Hunderttausende von Arbeitsplätzen für ausländische Fachkräfte. Der große Vorteil der Arbeit in den Golfstaaten ist, dass der Verdienst steuerfrei ist.
ILF, eines der größten familiengeführten Ingenieurbüros Deutschlands, beschäftigt mehr als 1.2000 Menschen und ist mit unzähligen Projekten im Ausland vertreten. Sie planen beispielsweise Ök-Pipelines in Kasachstan, verlegen Wasserrohre in Saudi-Arabien oder konstruieren Tunnel in New York. Das ist Reiselust fast genauso wichtig wie das fachliche Know-how.
Aber gerade zu dieser großen Mobilität des deutsch-österreichischen Unternehmens tragen nicht viele junge Ingenieure, sondern die älteren Mitarbeiter bei. Der älteste immer noch aktive Ingenieur ist bereits 80 Jahre alt und über ein Viertel der Beschäftigten ist älter als 50. Dem Geschäftsführer, Andreas Kohler, ist bewusst, dass für eine Firma erfahrene Mitarbeiter, die die Branche in- und auswendig kennen, unentbehrlich sind. Vor wenigen Wochen hat das Bundeswirtschaftsministerium die ILF als „Unternehmen mit Weitblick“ ausgezeichnet. Das ist der Lohn für das Engagement bei der Beschäftigung Älterer.
Trotz seines Alters, er ist auch schon 70 Jahre alt, denkt der Firmenmitgründer Adolf Feizlmayr nicht an den Ruhestand und überstützt das Unternehmen immer noch als Senior Partner. Gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Pius Lässer hat er die „Ingenieurgemeinschaft Lässer-Feizlmayr“ (ILF) Ende der 60er Jahre in Innsbruck gegründet. Die beiden Ingenieure arbeiteten mit an der Planung und dem Bau der Transalpinen Öl-Leitung, machten sich einen Namen und eröffneten ihr zweites Büro in München. Das Unternehmen gehört heute zu den führenden Pipeline-Planern weltweit. Die vier Geschäftsbereiche Öl und Gas, Energie, Wasser und Umwelt sowie Bau und Infrastruktur erlösen einen Umsatz in Höhe von 120 Millionen Euro.
Der Bau der Pipeline Baku-Tbilisi-Ceyhan gehörte zu den spektakulärsten Projekten. Fast 1.800 Kilometer ist die Öl-Leitung lang und beginnt in Baku, Aserbaidschan, auf Meereshöhe, gelangt dann nach Georgien und steigt dort im Südkaukasus erstmalig auf über 2.000 Meter an. Am Berg Kara Dag in der Türkei erreicht sie eine Höhe von 2.900 Meter, um später über Hochebenen und weitere Gebirge, durch Granit, Sandstein und Karst, über Erdbebengräben, Bergrücken und als letztes über den Taurus am Mittelmeer nahe der türkisch-syrischen Grenze zu enden.
Da ist es auch verständlich, dass diejenigen, die an solchen Projekten mitarbeiten, an den Wochenenden nicht nach Hause zu ihren Familien fliegen können. Oftmals können sie ihre Familien nicht einmal telefonisch erreichen. Deshalb sind diese Jobs von jungen Mitarbeitern mit Kindern nicht so sehr begehrt und Berufsanfängern, die zwar reisebereit sind, fehlt einfach die Erfahrung. Aufgrund dessen werden bei komplexen Auslandsprojekten Teams, die aus jungen und alten Mitarbeitern bestehen, zusammengestellt.
Weil die meisten älteren Ingenieure noch sehr fit sind, haben auch keine Probleme mit den körperlichen Strapazen. Die sprachlichen Probleme sind aufgrund der guten Englischkenntnisse ebenfalls ausgeräumt. Wenn erforderlich, werden die Mitarbeiter durch eine Sprachlehrerin auf die Auslandseinsätze vorbereitet. Aber leider hat auch dieses Unternehmen Probleme, auf dem leeren Arbeitsmarkt Personal zu finden. Laut Kohler können 60 oder 70 Ingenieure auf Anhieb eingestellt werden. Dabei gibt es bei Bewerbungen, die ausdrücklich willkommen sind, keine Altersbeschränkungen.
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Arbeiten im Ausland - Teil 2